Oldtimer auswintern 2026

Der ultimative Leitfaden für den Saisonstart (DE, AT, CH)
Für wen ist dieser Guide?
Dieser Leitfaden richtet sich an Besitzer von klassischen Fahrzeugen (Oldtimer und Youngtimer), die ihr Fahrzeug nach der Winterpause sicher und werterhaltend wieder in Betrieb nehmen wollen. Er löst das Problem technischer Defekte durch lange Standzeiten und klärt die rechtlichen Voraussetzungen für den Straßenverkehr in Deutschland, Österreich und der Schweiz.
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In Kürze: Die wichtigsten Schritte
- Rechtliches: Zulassungsstatus und §57a/MFK/HU prüfen.
- Sicherheit: Bremsen, Reifen (Standplatten) und Beleuchtung testen.
- Motor: Flüssigkeitsstände korrigieren, schonender Erststart.
- Spezialwissen: Besonderheiten für Porsche, Mercedes, US-Cars & Co. beachten.
1. Rechtliche Rahmenbedingungen & Zulassung (DACH-Region)
Bevor Sie den Zündschlüssel drehen, muss der bürokratische Status geklärt sein. Da sich die Regeln unterscheiden, finden Sie hier die spezifischen Anforderungen für 2026:
Deutschland (DE)
- Zulassung: Prüfen Sie, ob Ihr Saisonkennzeichen (falls vorhanden) bereits gültig ist (z.B. 04-10 bedeutet Start am 1. April).
- Hauptuntersuchung (HU/TÜV): Ist die HU während der Standzeit abgelaufen?
- Regel: Die Fahrt zur nächstgelegenen Prüfstelle ist im eigenen Zulassungsbezirk oft gestattet, sofern das Fahrzeug verkehrssicher ist. Alternativ: Trailer nutzen.
- Versicherung: Deckt die Police den aktuellen Marktwert? (Stichwort: Wertausschlüsse).
Österreich (AT)
- §57a Begutachtung („Pickerl“):
- Bei als „Historisches Fahrzeug“ typisierten Oldtimern ist die Begutachtung nur alle zwei Jahre notwendig. Prüfen Sie die Plakette!
- Haben Sie die fahrtenbuchartigen Aufzeichnungen für die gesetzlich limitierte Nutzung (max. 60 Tage/Jahr) bereitgelegt?
- Versicherung: Prüfen Sie, ob das Hinterlegungszeichen (Kennzeichen hinterlegt über Winter) wieder ausgefolgt wurde und der Versicherungsschutz aktiv ist.
Schweiz (CH)
- Motorfahrzeugkontrolle (MFK):
- Fahrzeuge mit Veteraneneintrag (Code 180) müssen oft nur alle 6 Jahre zur MFK. Prüfen Sie den letzten Eintrag im Fahrzeugausweis.
- Achtung: Die jährliche Fahrleistung ist oft auf ca. 2.000 – 3.000 km beschränkt.
- Wechselschilder: Stellen Sie sicher, dass das Wechselschild korrekt montiert ist, falls Sie mehrere Oldtimer bewegen.

2. Standort-Analyse & Äußere Prüfung des Oldtimers
Frage: Worauf muss ich achten, bevor ich das Auto bewege?
Bevor das Fahrzeug bewegt wird, gibt der Stellplatz erste Hinweise auf den technischen Zustand.
Der Boden-Check
- Leckagen: Suchen Sie nach frischen Flecken unter dem Auto.
- Rot/Braun: Getriebe- oder Motoröl.
- Klar/Gelblich: Bremsflüssigkeit (Sicherheitsrisiko!).
- Grün/Blau/Rot: Kühlwasser.
- Schimmel & Feuchtigkeit: Riecht der Innenraum modrig? Prüfen Sie Fußmatten und Verdeckkästen auf Schimmelsporen.
Reifen und Fahrwerk
Lange Standzeiten belasten die Reifen punktuell („Standplatten“).
- Luftdruck: Korrigieren Sie den Druck auf Herstellerangaben.
- Alter (DOT-Nummer): Reifen älter als 8-10 Jahre sollten trotz gutem Profil getauscht werden (Aushärtung).
- Risse: Prüfen Sie die Reifenflanken auf Risse.
3. Technik-Check im Motorraum
Hier entscheidet sich die Zuverlässigkeit für die Saison 2026.
Flüssigkeiten (Die Lebensader des Motors)
| Flüssigkeit | Prüfung | Aktion bei Mangel |
| Motoröl | Stand, Farbe, Geruch (Benzin?) | Wechseln (vor allem bei Kurzstreckenbetrieb im Vorjahr). |
| Bremsflüssigkeit | Stand, Farbe (Dunkel = alt) | Wechsel alle 2 Jahre (hygroskopisch!). |
| Kühlmittel | Stand, Frostschutzgehalt | Nachfüllen, Leck suchen. |
| Kraftstoff | Alter (> 6 Monate?) | Alter Sprit verliert Zündwilligkeit. Ggf. Additive nutzen oder abpumpen. |
Riemen und Schläuche
- Keilriemen: Drücken Sie mit dem Daumen auf den Riemen. Er sollte nicht spröde sein und sich ca. 1-1,5 cm eindrücken lassen.
- Benzinschläuche: Dies ist die häufigste Brandursache bei Oldtimern. Tauschen Sie poröse Gewebeschläuche sofort aus.
4. Elektrik & Batterie: Die häufigste Pannenursache bei Oldtimern
Szenario: Der Anlasser dreht nur müde oder klackert.
- Batteriespannung: Messen Sie die Ruhespannung. Unter 12,4 Volt sollte nachgeladen werden (Ladegerät mit IUoU-Kennlinie).
- Kontakte: Reinigen Sie die Batteriepole und prüfen Sie das Masseband zur Karosserie auf Korrosion.
- Licht-Test: Überprüfen Sie alle Leuchtmittel (inkl. Bremslicht) vor der ersten Fahrt.
5. Der erste Motorstart („Engine Startup“)
Gehen Sie behutsam vor, um Lagerschäden zu vermeiden.
- Öldruck aufbauen: Wenn möglich, drehen Sie den Motor ohne Zündung (Zündspule abklemmen oder Benzinpumpenrelais ziehen) kurz durch, bis Öldruck anliegt.
- Starten:
- Vergaser: Choke ziehen, Gaspedal je nach Modell 1-2 mal pumpen.
- Einspritzer: Zündung an, warten bis Surren der Benzinpumpe endet, dann starten.
- Beobachtung: Achten Sie auf Klopfgeräusche und die Öldruckanzeige. Lassen Sie den Motor kurz im Stand laufen, aber vermeiden Sie langes Warmlaufen im Stand (Kondenswasserbildung im Auspuff, Nockenwellenbelastung).
6. Die Probefahrt & Bremsprobe
Fahren Sie die ersten Kilometer defensiv („Bremsprobe“).
- Bremstest: Bremst das Fahrzeug gerade? Ein Ziehen nach links/rechts deutet auf festsitzende Bremssättel hin.
- Temperaturen: Behalten Sie die Wassertemperatur im Auge. Öffnet der Thermostat?
- Vibrationen: Spüren Sie ein „Hoppeln“? Das sind meist Standplatten, die sich nach 10-20 km „rundfahren“ sollten. Wenn nicht: Reifen wuchten/tauschen.
7. Pflege & Werterhalt
Wenn die Technik stimmt, folgt die Optik.
- Lack & Chrom: Waschen Sie Salz- und Staubreste ab. Konservieren Sie Chromteile mit Hartwachs oder spezieller Politur.
- Gummis: Behandeln Sie Tür- und Fensterdichtungen mit Gummipflege (z.B. Hirschtalg), damit sie geschmeidig bleiben.
8. Markenspezifische Besonderheiten (Profi-Tipps)
Nicht jeder Klassiker tickt gleich. Diese Modelle verlangen beim Saisonstart besondere Aufmerksamkeit:
A) Porsche 911 (Luftgekühlt, bis 1998)
Bei den luftgekühlten Modellen (F-Modell bis 993) ist der Ölstand-Check kritisch.
- Trockensumpfschmierung: Messen Sie den Ölstand niemals bei kaltem Motor.
- Prozedur: Motor warmfahren (Betriebstemperatur), Fahrzeug auf ebener Fläche abstellen, Motor im Leerlauf laufen lassen – erst dann am Peilstab messen.
B) Mercedes-Benz & Fahrzeuge mit K-Jetronic
Modelle der 70er/80er (z.B. W123, W124, R107, Golf 1 GTI) nutzen oft die K-Jetronic.
- Problem: Der Steuerkolben im Mengenteiler verharzt durch alten Sprit schnell.
- Lösung: Bei schlechtem Lauf nicht dauerhaft „orgeln“. Systemreiniger nutzen oder Mengenteiler professionell prüfen lassen. Prüfen Sie zudem das Überspannungsschutzrelais (ÜSR).
C) Englische Roadster (MG, Triumph, Jaguar)
- Vergaseröl: Bei SU- & Stromberg-Vergasern den Dämpferkolben prüfen (schwarzer Deckel oben). Fehlt Öl, ruckelt der Wagen beim Beschleunigen. Nachfüllen mit Vergaseröl oder 20W50 Motoröl.
- Masse: Achtung bei Modellen mit „Positive Earth“ (Plus an Masse) – Vorsicht beim Batterieanschluss!
D) Citroën (Hydropneumatik)
- Geduld: Starten Sie den Motor und warten Sie zwingend, bis das Fahrzeug die Fahrhöhe erreicht hat und die „STOP“-Leuchte erlischt. Vorher ist kein voller Bremsdruck vorhanden.
E) US-Cars (V8 mit Vergaser)
- Trockene Vergaser: Das Benzin in den Schwimmerkammern (Holley/Edelbrock) verdunstet über den Winter oft komplett.
- Tipp: Etwas frisches Benzin direkt in den Vergaser geben (Vorsicht!) oder Startpilot nutzen, um die Batterie zu schonen, bis die mechanische Pumpe gefördert hat.
Fazit
Ein systematisches Auswintern schützt nicht nur Ihr automobiles Kulturgut, sondern sorgt auch für Ihre Sicherheit. Nehmen Sie sich für den Saisonstart 2026 mindestens einen halben Tag Zeit.
Checkliste zum Abhaken – Oldtimer auswintern Saisonstart 2026
1. Dokumente & Rahmenbedingungen
- Versicherungsschutz geprüft (Deckung, Saisonkennzeichen, Ausland)
- Zulassung gültig (Kennzeichen, Saisonzeitraum)
- HU/AU gültig oder Termin vereinbart
- Fahrzeugschein / Zulassungsbescheinigung Teil I im Fahrzeug
- Oldtimer-/Wertgutachten (H-Kennzeichen, Classic-Data etc.) aktuell
2. Stellplatz & Umgebung
- Boden unter dem Fahrzeug auf Öl-/Bremsflüssigkeits-/Kühlwasser-Flecken geprüft
- Garage auf Feuchtigkeit / Schimmel kontrolliert
- Entfeuchter (falls vorhanden) geleert/erneuert
3. Außenkontrolle & Unterboden
- Karosserie auf neue Roststellen, Dellen, Lackschäden geprüft
- Türkanten, Radläufe, Scheibenrahmen auf Rost kontrolliert
- Chromteile auf Flugrost / Pitting geprüft
- Scheiben auf Steinschläge / Risse geprüft
- Tür-, Kofferraum- und Scheibendichtungen auf Risse/Versprödung geprüft
- Unterboden und Unterbodenschutz mit Lampe kontrolliert
- Sichtkontrolle auf Leckagen (Motor, Getriebe, Diff, Bremsanlage)
4. Reifen & Fahrwerk
- Profiltiefe aller Reifen geprüft
- DOT-Nummer (Reifenalter) kontrolliert
- Reifen auf Risse, Beulen, Standplatten geprüft
- Reifendruck auf Sollwert eingestellt
- Stoßdämpfer auf Ölverlust geprüft
- Federn auf Bruchstellen / starke Korrosion geprüft
- Gummilager (Querlenker, Stabi, Achslager) auf Risse geprüft
- Spiel der Lenkung kontrolliert
5. Motorraum & Flüssigkeiten
- Motorölstand geprüft
- Ölzustand begutachtet (Farbe, Geruch) – Ölwechsel entschieden/durchgeführt
- Kühlmittelstand geprüft
- Frostschutz geprüft
- Kühlmittelschläuche & Schellen auf Risse / Undichtigkeiten geprüft
- Bremsflüssigkeitsstand kontrolliert
- Bremsflüssigkeitsalter geprüft (Wechsel > 2 Jahre?)
- Getriebe & Differenzial: Sichtprüfung auf Undichtigkeiten
- Keil-/Rippenriemen auf Risse, Ausfransungen, Spannung geprüft
- Kraftstoffleitungen (Gummi & Metall) auf Risse / Korrosion geprüft
- Kraftstofffilter-Zustand geprüft (ggf. Wechsel geplant)
- Alter des Kraftstoffs bewertet (ggf. frischen Sprit tanken)
- Vergaser/Einspritzung auf Undichtigkeiten und poröse Schläuche geprüft
6. Elektrik & Batterie
- Batterie eingebaut / angeschlossen
- Batterie vollständig geladen
- Pole und Klemmen gereinigt und leicht gefettet
- Masseband Motor–Karosserie geprüft/gereinigt
- Lichtanlage geprüft (Abblend-, Fern-, Stand-, Rücklicht)
- Bremslicht geprüft
- Blinker & Warnblinker geprüft
- Kennzeichenbeleuchtung geprüft
- Innenraum- und Instrumentenbeleuchtung geprüft
- Scheibenwischerfunktion & Wischwasserspritzdüsen geprüft
- Wischergummis auf Risse geprüft
7. Innenraum & Sicherheit
- Teppiche und Fußräume auf Feuchtigkeit geprüft
- Sitze und Sitzschienen auf festen Sitz geprüft
- Sicherheitsgurte auf Risse, Ausfransungen, Funktion geprüft
- Lenkrad auf festen Sitz & Spiel geprüft
- Kupplungs- und Bremspedal auf Widerstand / Geräusche geprüft
- Verbandskasten (Datum & Vollständigkeit) geprüft
- Warndreieck vorhanden und zugänglich
- Warnweste vorhanden
- Feuerlöscher (falls vorhanden) – Prüfsiegel / Fülldruck kontrolliert
8. Bremsanlage & Kupplung
- Bremsleitungen (Stahl) auf Rost geprüft
- Bremsschläuche (Gummi) auf Risse / Aufquellungen geprüft
- Sättel / Radbremszylinder soweit sichtbar auf Leckagen geprüft
- Bremspedaltest im Stand (Druckaufbau / kein Nachgeben)
- Handbremse / Feststellbremse auf Funktion und Hebelweg geprüft
- Kupplungsspiel und Gefühl beim Treten geprüft
9. Erster Start des Motors
- Motor ggf. ohne Zündung kurz durchgedreht (Ölverteilen)
- Kraftstoffsystem entlüftet / Druck aufgebaut (bei Einspritzung)
- Startvorgang nach Herstellervorgabe (Choke / Startautomatik)
- Öldrucklampe erlischt nach wenigen Sekunden
- Auf ungewöhnliche Geräusche geachtet (Klopfen, metallisches Schlagen etc.)
- Motor im Stand warmlaufen lassen (nicht hochdrehen)
- Kontrolle auf Leckagen während des Motorlaufs (Öl, Kraftstoff, Kühlmittel)
- Ladekontrollleuchte, Temperaturanzeige, Öldruckanzeige geprüft
10. Erste Probefahrt
- Kurze, verkehrsarme Teststrecke gewählt
- Lenkung: kein starkes Ziehen / keine ungewöhnlichen Vibrationen
- Bremsen: gleichmäßige Verzögerung, kein Ziehen / starkes Rubbeln
- Motor: saubere Gasannahme, keine Aussetzer
- Getriebe: alle Gänge lassen sich sauber schalten
- Kupplung: kein Rutschen unter Last
- Motortemperatur bleibt im Normalbereich
- Lüfterfunktion (mechanisch/elektrisch) geprüft
11. Nachkontrolle nach der Probefahrt
- Fahrzeug abgestellt und Unterboden auf neue Leckspuren geprüft
- Bremsen auf Überhitzung (Fühlprobe an Felgen mit Vorsicht) geprüft
- Flüssigkeitsstände (Öl, Kühlmittel, Bremsflüssigkeit) ggf. nachkorrigiert
- Geräusche oder Auffälligkeiten während der Fahrt notiert
12. Pflege & Dokumentation
- Fahrzeug gründlich von außen gewaschen
- Lack bei Bedarf poliert und gewachst / versiegelt
- Chromteile gereinigt und poliert
- Gummidichtungen mit Pflegemittel behandelt
- Innenraum gereinigt (Saugen, ggf. Polster-/Lederpflege)
- Alle Arbeiten (Datum, km-Stand) notiert
- Auffälligkeiten und kommende Arbeiten für 2026 notiert